Erzähl mir keine Märchen

Febru­ar 2018

Vom Push zum Peak 015: Wie moti­viert man sei­ne Mit­ar­bei­ter? Dr. Ober­haupt will den Auf­bruch wagen, um sein Unter­neh­men aus der aktu­el­len Kri­se zu füh­ren: Zu wenig Kun­den, zu wenig Umsatz, zu wenig Moti­va­ti­on. Er hat gele­sen, dass Sto­ry­tel­ling eine gute Mög­lich­keit sei, die Mit­ar­bei­ter zu akti­vie­ren und für neue Zie­le zu begeis­tern. Ob das stimmt? Kurz­ent­schlos­sen greift er zum Tele­fon.

#push2peak  #smart­fic­tion

Dr. Ober­haupt sitzt am Schreib­tisch und blät­tert in sei­nem Notiz­buch. Irgend­wo­hin hat­te er die Tele­fon­num­mer von Tho­mas Pycz­ak auf­ge­schrie­ben. Sein lang­jäh­ri­ger Freund Emil Win­ter­bier hat­te ihm den Tipp gege­ben, sich ein­mal mit stra­te­gi­schem Sto­ry­tel­ling zu beschäf­ti­gen und ihm die Tele­fon­num­mer von dem Exper­ten gege­ben. Dr. Ober­haupt ist neu­gie­rig, zugleich aber auch sehr skep­tisch. Sto­ry­tel­ling ist doch etwas für Kin­der oder Film­re­gis­seu­re, was hat das in einem soli­den mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men zu suchen? Gleich­zei­tig ist er aber auch fas­zi­niert von den vie­len posi­ti­ven Ergeb­nis­sen, die Sto­ry­tel­ling bei den Zuhö­rern aus­löst. Erzähl­te Geschich­ten wer­den viel leich­ter ver­stan­den, gelernt und behal­ten. Doch nicht nur das, die Zuhö­rer wer­den auch emo­tio­nal ange­spro­chen. Sie füh­len mit den Hel­den mit und sind bereit, sich selbst zu enga­gie­ren.

Kann man mit Geschichten Mitarbeiter motivieren?

End­lich hat er die Tele­fon­num­mer gefun­den. Kurz­ent­schlos­sen greift er zum Tele­fon. Nach weni­gen Augen­bli­cken ist Tho­mas Pycz­ak am Tele­fon. Dr. Ober­haupt schil­dert ihm kurz die Situa­ti­on, dass er als Unter­neh­mens­chef neue Mög­lich­kei­ten sucht, sei­ne Mit­ar­bei­ter zu moti­vie­ren und ihnen Per­spek­ti­ven auf­zei­gen will, um der Fir­ma neu­en Schwung zu ver­lei­hen: „Ich habe gehört, dass Sto­ry­tel­ling eine gute Sache ist, um die Unter­neh­mens­kul­tur zu defi­nie­ren und Wer­te zu eta­blie­ren. Aber ich kann mir noch nicht so rich­tig vor­stel­len, wie Mär­chen­er­zäh­len in einer Fir­ma funk­tio­nie­ren soll? Mei­ne Mit­ar­bei­ter sind Tech­ni­ker und Inge­nieu­re sind und eher kon­ser­va­tiv. Glau­ben Sie wirk­lich, dass ich mei­ne Mit­ar­bei­ter für Geschich­ten begeis­tern kann?”

Storytelling nicht mit Märchenerzählen verwechseln

Der Bera­ter hat­te ihm auf­merk­sam zuge­hört. Er räus­pert sich kurz und ant­wor­tet: „Sto­ry­tel­ling ist nicht mit Mär­chen­er­zäh­len zu ver­wech­seln, wenn auch die alten Mär­chen per­fek­te Bei­spie­le für Sto­ry­tel­ling lie­fern. Sto­ry­tel­ling ist eine Metho­de, wie Sie Ihre Bot­schaf­ten in Spra­che trans­fe­rie­ren, die jeder Mensch sofort ver­steht. Sto­ry­tel­ling ver­wen­det Bil­der, Erzähl­mus­ter und Emo­tio­nen, um Bot­schaf­ten zu trans­por­tie­ren. Doch Bevor Sie zu hohe Erwar­tun­gen an Ihre Mit­ar­bei­ter stel­len, soll­ten Sie sich zunächst erst ein­mal selbst für Sto­ry­tel­ling begeis­tern. Anschlie­ßend kön­nen Sie sich gemein­sam mit Ihren Mit­ar­bei­tern auf die Rei­se bege­ben. Sie brin­gen in Ihrem Unter­neh­men etwas in Gang, wenn Sie Sto­ry­tel­ling eine höhe­re Prio­ri­tät in Ihrem Unter­neh­men ein­räu­men, etwa indem Sie Semi­na­re und Work­shops anbie­ten oder selbst zum Sto­ry­tel­ler wer­den.

Was für Storys soll ich denn erzählen?

Aber was für Sto­rys soll ich denn erzäh­len?“, fragt Ober­haupt. „Ich habe das noch nicht ganz ver­stan­den“. „Machen Sie es sich nicht so schwer“, ant­wor­tet Pycz­ak auf­mun­ternd; „Ver­su­chen Sie in Bil­dern und logi­schen Zusam­men­hän­gen zu spre­chen. Spre­chen Sie so, dass bei Ihren Zuhö­rern Bil­der im Kopf ent­ste­hen, das ist das gan­ze Geheim­nis.“ Dr. Ober­haupt nickt, die­se Erklä­rung klingt plau­si­bel. „Gera­de für Tech­ni­ker und Inge­nieu­re ist Sto­ry­tel­ling mehr als eine schö­ne Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on“, fährt Prycz­ak fort. „Wenn Ihre Ver­käu­fer und Inge­nieu­re so spre­chen, dass bei Ihren Kun­den Bil­der im Kopf ent­ste­hen, hilft es ihnen, aber auch Ihrem Unter­neh­men erfolg­rei­cher zu sein – ganz ein­fach, indem sie über­zeu­gen­der kom­mu­ni­zie­ren, mehr Men­schen mit­neh­men und begeis­tern. Kun­den, Kol­le­gen, Part­ner. Men­schen fol­gen der Sto­ry, in der sie sich wohl­füh­len, das kön­nen Sie über­all beob­ach­ten.“

Ja, Ich will mehr Mar­ke­ting Pra­xis Tipps!

Eine Vision oder Leitbild

Ja gut, das leuch­tet mir ein“, sagt Dr. Ober­haupt. „Aber mein eigent­li­ches Ziel ist es, dass wir im Unter­neh­men eine gemein­sa­me Visi­on und Mis­si­on, also ein Leit­bild für die Fir­ma ent­wi­ckeln. Kön­nen Sie mir dabei hel­fen? Und funk­tio­niert das über­haupt mit Sto­ry­tel­ling?“ „Aber ja“, pflich­tet ihm Pycz­ak bei. „Aus stra­te­gi­scher Sicht gibt es eigent­lich nur eine Hand­voll von Geschich­ten, die wirk­lich zäh­len. Suchen Sie sich eine von die­sen Geschich­ten als erzäh­le­ri­sches Rück­grat für Ihr Unter­neh­men und geben sie mit des­sen Hil­fe, Ant­wor­ten auf die ent­schei­den­den Fra­gen: Was ist unse­re Mis­si­on? Wer sind unse­re Kun­den? Was ist unse­re Stra­te­gie?  Was sind unse­re Wer­te?“ Ober­haupt macht sich ein paar Noti­zen in sein Buch, wes­halb eine kur­ze Pau­se am Tele­fon ent­steht. Der Sto­ry-Stra­te­ge lässt ihm die Zeit bevor er wei­ter­spricht. „Wis­sen Sie, die­se Fra­gen wer­den immer wie­der gestellt – von Mit­ar­bei­tern, von Kun­den, von Part­nern, von der Gesell­schaft. Die Ant­wor­ten dar­auf kön­nen knapp sein oder aus­führ­lich, wich­tig ist, dass mög­lichst jeder sie ver­steht und in Erin­ne­rung behält. Sto­rys sind Werk­zeu­ge, die das Ver­ste­hen erleich­tern.“

Aber wie finden wir eine Geschichte?

Ja ok, das klingt span­nend für mich“, sagt Dr. Ober­haupt, “aber wie fin­den wir denn eine Geschich­te, die zu unse­rem Unter­neh­men passt? Oder viel­mehr, wel­che Geschich­te soll denn erzählt wer­den?“

Ich schla­ge vor, dass Sie einen Work­shop zu die­sem The­ma in Ihrem Hau­se abhal­ten“, ant­wor­tet Pycz­ak. „Geschich­ten gibt es meis­tens viel zu vie­le. Hier muss eine Aus­wahl getrof­fen wer­den, aus der sich eine Rah­men­hand­lung ent­wi­ckeln lässt. Die Rah­men­er­zäh­lung ent­hält die Mis­si­on und auch die Stra­te­gie. Ein wich­ti­ger Leit­fa­den ist der Gol­den Cir­cle mit den drei ein­fa­chen Fra­gen War­um? Wie? und Was? (War­um gibt es das Unter­neh­men, wie schafft das Unter­neh­men Wer­te und was wird dafür getan?) Und dann suchen Sie nach ein­präg­sa­men, emo­tio­na­len For­mu­lie­run­gen, die trotz ihrer Kür­ze eine Geschich­te erzäh­len.“

Was sollte ich jetzt als nächstes tun?

Vie­len Dank, das hat mir schon sehr gehol­fen“, sagt Dr. Ober­haupt. „Doch eine Fra­ge habe ich noch. Was soll­te ich jetzt als nächs­tes tun?” „Ich wür­de mit klei­nen Schrit­ten begin­nen“, sagt Prycz­ak. „Viel­leicht ein Ange­bot an die Mit­ar­bei­ter, Busi­ness Sto­ry­tel­ling zu ler­nen. Es mit ihren The­men zu ver­bin­den. Mit­ar­bei­ter-Coa­ching wäre auch eine Mög­lich­keit. Dass jemand da ist, der ihnen hilft, ihre Vor­trä­ge und Prä­sen­ta­tio­nen vor­zu­be­rei­ten, der ihnen zeigt, wie es geht. Wenn Sie so vor­ge­hen, brin­gen Sie Sto­ry­tel­ling Stück für Stück in Ihr Unter­neh­men. Und Sie wer­den sehen: Es wird die Kul­tur ver­än­dern. Und auch die Zah­len.“

Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht

 „Herr Pycz­ak vie­len Dank für das inter­es­san­te Gespräch“, Ober­haupt ist fast ein biss­chen auf­ge­regt, weil ihm wäh­rend des Tele­fo­nats so vie­le ver­schie­de­ne Ide­en in den Kopf gekom­men sind. „Ich muss jetzt ers­te ein­mal mei­ne Gedan­ken sor­tie­ren und mei­ne Mit­ar­bei­ter befra­gen, aber ich wer­de mich wie­der bei Ihnen mel­den.“ „Herz­lich ger­ne“, ant­wor­tet der Sto­ry­tel­ler. „Ich bin schon ganz auf die wei­te­ren Fol­gen Ihrer Geschich­te gespannt“.

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Thomas Pyczak

Tho­mas Pycz­ak hat sich dem stra­te­gi­schen Sto­ry­tel­ling ver­schrie­ben. Für ihn gehört Sto­ry­tel­ling zu den neu­en Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen in der Arbeits­welt von mor­gen. Zu die­sem Zweck coacht er Unter­neh­men, die Busi­ness Sto­ry­tel­ling, Lea­dership Sto­ry­tel­ling oder Data Sto­ry­tel­ling aktiv nut­zen wol­len.

Sto­ries über­zeu­gen, moti­vie­ren und set­zen Din­ge in Bewe­gung. Sie nut­zen die neu­ro­na­len Struk­tu­ren im Gehirn der Zuhö­rer und bewir­ken, dass Inhal­te bes­ser ver­stan­den, gelernt und behal­ten wer­den.

Wir dan­ken Tho­mas Pycz­ak für die freund­li­che Zusam­men­ar­beit und sei­nen Bei­trag zum The­ma Sto­ry­tel­ling.

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