Push-Marketing: Bin ich nicht großartig?

Vom Push zum Peak 011: Sams­tag nach­mit­tag an einem Regen­tag. „Erzähl mal, wie war es ges­tern?“ Lena ant­wor­tet ihrer Freun­din Tini nicht wir erwar­tet, denn der Typ, mit dem sie sich ges­tern abend zum Blind-Date getrof­fen hat, ent­pupp­te sich mit sei­ner Selbst­dar­stel­lung als ech­ter Push­mar­ke­ting-Pro­fi. Und wel­che Frau will schon so einen Lang­wei­ler?

#push2peak  #smart­fic­tion

Sams­tag nach­mit­tag an einem Regen­tag. Lena hat es sich auf dem Sofa gemüt­lich gemacht, ein Glas damp­fen­dem Ing­wer­tee neben sich und ihr Tablet auf dem Schoß. Sie guckt sich die neu­es­ten Posts ihrer Freun­din­nen auf Insta­gram an. Sie ist zufrie­den mit ihrer Per­for­mance. Seit Sep­tem­ber haben sich 5.032 neue Fol­lo­wer ihrem Pro­fil ange­schlos­sen.

Beau­ty und Life­style sind vor allem bei jun­gen Frau­en sehr beliebt. Lena genießt in ihrer Com­mu­ni­ty zuneh­men­den Erfolg, seit­dem sie sich mit ihren Sto­rys zum The­ma Busi­ness-Mode für Young Fashionad­dic­ted eine recht beacht­li­che Com­mu­ni­ty auf­ge­baut, die monat­lich neue Mit­glie­der hin­zu­ge­winnt, ohne dass sie sich inten­siv um die­se Ziel­grup­pe bemü­hen muss. Sie will gera­de zur Cos­mo­po­li­tan wech­seln, als ihr Tele­fon summt.

Na, wie war es gestern?

Hal­lo Tini!“ Lena legt ihr Tablet zur Sei­te und greift zum Tee­glas. Wenn ihre Freun­din anruft, kann das Gespräch län­ger wer­den. „Na, wie war es ges­tern?“ kommt die­se ohne Umschwei­fe zum The­ma. Lena grinst. Sie kennt Tini genau, und weiß, dass die­se nicht locker­las­sen wird, bis sie aus­rei­chend Ant­wor­ten bekom­men hat.: „Ah ja, war ganz nett…“ ant­wor­tet sie des­halb lang­ge­zo­gen. „Was heißt das…?“ fragt, die­se unge­dul­dig. „Sieht Chris­ti­an nicht unheim­lich gut und sexy aus?“ Lena holt tief Luft. Tini wird nicht eher Ruhe geben, bis sie aus­führ­li­cher ant­wor­tet. „Also“, sagt Lena und nimmt einen Schluck Tee. Sie schließt kurz die Augen, um sich Chris­ti­ans Bild noch ein­mal vor Augen zu füh­ren. Tini hat­te für sie die­se „Blind Date“ orga­ni­siert. Einen Arbeits­kol­le­gen aus Tinis Fir­ma, der auf der Suche nach einer Freun­din ist.

Pizza Amore und eine Flasche Prosecco

Wir hat­ten uns um acht Uhr in der Piz­ze­ria ver­ab­re­det. Er war pünkt­lich da und hat­te den Tisch hin­ten in der Ecke, bei dem Pos­ter mit der Mona Lisa reser­viert. Als ich kam, ist er form­voll­endet auf­ge­stan­den und hat mich mit einem fes­ten Hand­schlag begrüßt. Ich fand das etwas unge­wöhn­lich, aber ok.“ „Und was hat­te er an?“, will die Freun­din wis­sen. „Hat­te er wie­der die­se coo­le Leder­ja­cke mit den Nie­ten auf den Taschen an?“ „Äh, das weiß ich gar nicht so genau“, sagt Lena „ich fand sei­ne brau­nen Augen toll, da habe ich auf sei­ne Kla­mot­ten gar nicht mehr so geach­tet…“

Oh, wie cool ist das denn?“ Tini ist ganz auf­ge­regt. „Und wie ist es wei­ter­ge­gan­gen? Was habt ihr geges­sen und getrun­ken?“ Lena seufzt. „Wir haben Piz­za Amo­re bestellt und eine Fla­sche Pro­sec­co.“ „Oh wie roman­tisch!“ Tini ist ganz aus dem Häus­chen. Lena ant­wor­tet: „mein Gott, wenn du DEN so toll fin­dest, war­um nimmt sie ihn dir denn nicht?“ Tinis Lau­ne kippt sofort. „War es nicht gut? Was ist denn pas­siert?“, fragt sie besorgt.

Egozentrisch und langweilig

 „Erst war er ja ganz amü­sant“, stimmt Lena ihr zu. „Aber dann fing er an, nur noch von sich selbst zu reden. Dass er eine gro­ße Eigen­tums­woh­nung hat, dass er einen gei­len Job hat, dass Geld kei­ne Rol­le spielt, dass er einen Sport­wa­gen und ein Motor­rad fährt, dass er Tief­see­tau­chen macht und regel­mä­ßig nach Thai­land zum Tau­chen fährt, dass er einen Tief­see-Tauch­schein hat und schon ech­te Haie gese­hen hat…“ Lena greift zu ihrem Tee­glas. „Ja, aber das ist doch total toll“, hört sie Tini sagen. „Sol­che Typen gibt es nicht so vie­le.“ „Na, ich weiß nicht?“, zuckt Lena mit den Schul­tern. „spä­tes­tens als er mir erzählt hat, wie­viel sei­ne Ste­reo­an­la­ge gekos­tet hat, und dass er jetzt im Abend­stu­di­um einen MBA-Stu­di­um in Eng­land über das Inter­net macht, ist mir tot­lang­wei­lig gewor­den“. „Hey, der Typ ist doch total süß!“ ver­sucht Mar­ti­na ihn noch schwach zu ver­tei­di­gen. Aber Lena fällt ihr ins Wort. „Ehr­lich Tini, er hat nicht ein­mal danach gefragt, was ich tue?, was ich arbei­te? was ich ger­ne mag? Der Typ braucht nie­man­den, der braucht nur Leu­te, die ihn toll fin­den – ich fand ihn ein­fach nur ego­zen­trisch – und lang­wei­lig.“

Der Typ macht reines Push-Marketing

Tini ist geknickt. „So habe ich das noch gar nicht gese­hen, ich fin­de ihn irgend­wie toll, aber eigent­lich hast du ja recht.“ „Was der Typ macht, ist rei­nes Push-Mar­ke­ting“, ant­wor­tet Lena. „Er protzt mit sei­nen tol­len Fähig­kei­ten und sei­nem tol­len Image, aber ganz ehr­lich, ich habe nicht ver­stan­den, wes­halb er mich an sei­ner Sei­te braucht? Der kann mir irgend­ei­ner Tus­se zusam­men­sein, er wür­de den Unter­schied gar nicht bemer­ken“ Lena ist erbost.

Und was habt ihr dann gemacht?“ fragt Tini schwach. „Ich habe ihn die Rech­nung zah­len las­sen und gebe­ten, mich nach Hau­se zu fah­ren, was sonst?“ sagt Lena. „Ich glau­be, er hat sich noch nicht mal mei­nen Namen gemerkt, so cool wie der war. Jeden­falls war ich um 11.00 h wie­der zu Hau­se und bin ins Bett gegan­gen. Ich habe mich furcht­bar über ihn geär­gert und mir des­halb noch einen Grap­pa gegönnt. Aber dann habe ich mir die Wut ein­fach weg­ge­spült, mir eine hei­ße Dusche gegönnt und wun­der­bar heu­te nacht geschla­fen.“

Warum tut er das?

Und du bist mir auch nicht böse?“ fragt Tini. „Nein Süße, natür­lich nicht“, lacht Lena. „Der Ver­such von dir war wirk­lich lieb gemeint,“ aber weißt du, ich suche mir lie­ber selbst jeman­den, der zu mir passt. Oder wenn über­haupt, dann suche ich jeman­den, der mir zuhö­ren kann, der danach fragt, was ich gut fin­de, und jeman­den, der mir nicht nur sagen kann, WAS und WIE er alles macht, son­dern WARUM er etwas tut.“ „Was meinst du damit?“ fragt Tini. „Na höre mal, wenn jemand Tief­see­tau­chen ist, dann gibt es doch unter­schied­li­che Grün­de dafür. Er kann sich selbst etwas bewei­sen, er kann die Natur lie­ben, er kann sei­nen Luxus leben, sei­ne Freun­de beein­dru­cken, Fische jagen….und was weiß ich noch alles?“

Um jeman­den ken­nen zu ler­nen, muss man doch wis­sen, war­um jemand etwas tut!“ fährt Lena fort. „Chris­ti­an jagt sei­nem Ego hin­ter­her, aber viel­leicht gibt es ja auch jeman­den, der die glei­chen Zie­le wie ich hat? Der sich für Frei­heit und Life­style inter­es­siert. Das wäre für mich inter­es­sant!“

Wenig spä­ter ver­ab­schie­den sich die bei­den Freun­din­nen von­ein­an­der und Lena wen­det sich wie­der ihren Insta­gram-Fol­lo­wern zu. Ihr Ziel: soviel Fans wie mög­lich zu gewin­nen, um irgend­wann als Influ­en­ce­rin damit Geld zu ver­die­nen….

 

 

#push2peak 011

Bild: Pickit

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